Emittentenrisiko bei ETCs
Börse Frankfurt Frage der Woche
Besicherungen von ETCs
Ein Thema, das Anleger besonders beschäftigt – besonders, wenn das Wort „Schuldverschreibung“ auftaucht –, ist die Frage, inwieweit Anlagen in Rohstoffprodukte von einem Emittentenrisiko betroffen sind, d.h. von der Gefahr, dass der Emittent des ETCs zahlungsunfähig wird und Anleger im Falle einer Insolvenz des Emittenten keinen Zugriff auf ihr Investment haben.
Die meisten ETCs sind jedoch besichert. Dabei lassen sich vier unterschiedliche Strukturen von zwei Emittenten unterscheiden:
ETF Securities bietet an:
- Physisch hinterlegte ETCs, die ohne Kreditrisiko den Preis am Kassamarkt nachbilden.
- Swap-basierte ETCs, die zu 100 Prozent besichert sind und die Indexfamilie der DJ-AIG Indizes nachbilden.
- Swap-basierte ETCs, die durch eine mit AA bewertete dritte Partei gedeckt sind und Warentermingeschäfte nachbilden.
Source stellt bereit:
- Swap-basierte ETCs, die durch eine dritte Partei mit US-Schatzanweisungen (T-Bills) und Barmitteln besichert sind. Die ETCs sind an die S&P GSCI (TM) Indexfamilie gekoppelt.
Die Deutsche Börse Commodities emittiert:
- Physisch hinterlegtes Xetra-Gold
Physisch hinterlegte ETCs
Physisch hinterlegte ETCs von ETF Securities sind zu 100 Prozent
besichert. Nach Angaben des Emittenten werden die Edelmetallbarren
vom Depotverwalter, der HSBC Bank (Mitglied und Vorstand der London
Bullion Market Association (LBMA)), in ihren Tresoren in London und
Zürich verwahrt. „Physisch hinterlegte ETCs bergen kein
Kreditrisiko, da ihre Investoren ein Wertpapier halten, das mit
physischem nicht verleihbarem Metall hinterlegt ist,“ erklärt der
Emittent.
Und weiter: „Das Edelmetall wird z.B. bei Gold, in zugeteilter Form
als klar identifizierbare, individuell gekennzeichnete Barren im
Namen des Emittenten gelagert.“ Diese Kennung kann auf
www.etfsecurities.com eingesehen werden. Alle Goldbarren
unterliegen der "Good Delivery"-Richtlinie des Handelsverbands
LBMA, dem Standard für den internationalen Großhandel.“
Außerdem könne kein Wertpapier emittiert werden, bevor das
entsprechende Gold an den Verwahrer geliefert wurde. Der Tresor des
Verwahrers wird zweimal jährlich einer unabhängigen Prüfung
unterzogen und ein Treuhänder für die Eigentümer der Wertpapiere
genehmige alle Entnahmen beim Verwalter.
Vollständig besicherte ETCs
ETF Securities z.B. bietet auf Xetra 84 ETCs auf die Indizes der
DJ-UBS Commodity-Familie an mit Zugriff – long, short oder gehebelt
– auf 23 Rohstoffe und 10 Körbe.
Diese ETCs sind zu 100 Prozent besichert. Die ETCs von ETFS
Commodity Securities Ltd. werden durch entsprechende
Rohstoffkontrakte, die von der Rohstoffgegenpartei UBS gekauft
werden, gedeckt. Alle von Commodity Securities ausgegebenen ETCs
sind zu 100 Prozent mit Kreditsicherheiten gedeckt, die von BNY
Mellon in einem eigenständigen Depot verwaltet und täglich
angepasst werden.
Geeignete Sicherheiten seien in dem Fall Bareinlagen und
Geldmarktfonds mit höchstmöglichem Rating, z.B. AAA, US Government
Bonds, AAA Sovereign Bonds etwa aus Belgien, Kanada, Frankreich,
Deutschland, oder Großbritannien, sowie Kombinationen von Anleihen
mit einer Bewertung nicht unter AA- bis zu maximal 25 Prozent einer
bestimmten Wertpapierkategorie.
Falls die Gegenpartei für die Rohstoffkontrakte seinen
Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, hat ETFS Commodity
Securities stellvertretend für seine Anleger alleinigen Anspruch
auf die Kreditsicherheiten. Die Gegenpartei kann ausschließlich
Kreditsicherheiten hinterlegen, während allein die BNY Mellon alle
Auszahlungen aus dem Pfanddepot vornimmt.
Sollten Kreditsicherheiten nicht den spezifischen, ausgewählten
Kriterien entsprechen, müssen unverzüglich zusätzliche annehmbare
Wertpapiere hinterlegt werden. Nach Angaben des Emittenten werden
die Kriterien für „annehmbare Kreditsicherheiten“ täglich
überprüft.
ETCs mit Drittdeckung
Auf Xetra werden zwei ETCs von ETF Securities durch einen Dritten gedeckt, der ETFS Brent Oil und der ETFS WTI Oil. Diese ETCs sind durch entsprechende Kontrakte der Royal Dutch Shell besichert. Sie sind durch die treuhändische Verwahrung der Einlagen vor einem eventuellen Ausfall der ETF Securities geschützt. Käme es jedoch zu einem Ausfall seitens Shell, wären diese ETCs dem Kreditrisiko von Shell ausgesetzt.
Besicherung von Xetra-Gold
Xetra-Gold wird durch die Deutsche Börse Commodities herausgegeben,
ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse mit sieben
Partnerbanken.
Xetra-Gold wird jederzeit zu 100 Prozent durch Gold gedeckt. Der
größte Teil, nämlich 95 Prozent des Goldes, wird in physischer Form
in den Tresoren der Clearstream – dem deutschen Zentralverwahrer
für Wertpapiere – eingelagert. Der restliche Teil des Goldes wird
als Lieferansprüche auf Gold gegen die Umicore unterhalten.
Trotz der physischen Verwahrung sind bei Xetra-Gold im Falle einer
Insolvenz der Emittenten die Ansprüche der Gläubiger aus den
Schuldverschreibungen nicht besichert. Ansprüche aus den
Schuldverschreibungen wären gleichrangig mit Forderungen anderer
Gläubiger gegen die Emittentin und alle Gläubiger stehen in Bezug
auf die Vermögenswerte der Emittentin in einem
Konkurrenzverhältnis.
Somit besteht das Risiko, dass die Vermögenswerte der Emittentin
nicht zur Befriedigung der Forderungen sämtlicher Gläubiger
ausreichen und Xetra-Gold-Schuldverschreibungen teilweise oder
vollständig ausfallen.
Allerdings beabsichtigt die Emittentin keine Geschäftstätigkeiten
außer der Emission von Xetra-Gold und damit zusammenhängenden
Dienstleistungen wie Verwahrung, Marketing oder Abschlussprüfungen.
Das heißt, es werden keine Forderungen von anderen Gläubigern aus
einer sonstigen Geschäftstätigkeit der Emittentin entstehen.
Ausführlicher können Sie dies im Prospekt von
Xetra-Gold (Seite 17 ff) nachlesen.





