Börse Frankfurt

Marktteilnehmer: Designated Sponsors – Schutzengel im elektronischen Handel

Wie funktioniert Börse?


Man hört sie nicht, man sieht sie nicht – und dennoch sind sie fast immer dabei: Designated Sponsors. Sie sorgen dafür, dass der Handel auch bei Umsatzflaute in Schwung bleibt. Investoren dürfen sich über ihre Arbeit freuen, denn sie ermöglichen einen jederzeitigen Ein- oder Ausstieg in eine Aktie, garantieren eine angemessene Handelsspanne und damit faire Preise in Xetra. Seit der Neusegmentierung des Aktienmarktes entscheidet künftig allein die Liquidität der Aktie, ob für gelistete Unternehmen ein Designated Sponsor für die Aufnahme in den fortlaufenden Handel notwendig ist.

Designated Sponsors sorgen für Liquidität im Wertpapierhandel


Anleger, die gerne zu Nebenwerten greifen, wissen die Vorzüge eines liquideren Wertpapiers zu schätzen. Wenig liquide Aktien, also Aktien mit geringem Börsenumsatz, sind anfälliger für hohe Kursschwankungen. Diese können sogar den dreistelligen Prozentbereich erreichen. Im Normalfall wäre es sehr schwierig, ein solches Wertpapier zu kaufen oder verkaufen. Der Investor müßte sich erst einen Anbieter suchen, der bereit ist, zum angebotenen Kurs zu handeln. Doch zum Glück gibt es die so genannten Designated Sponsors: Marktteilnehmer, die jederzeit zu marktgerechten Kursen das Geschäft mit den Anlegern machen.

Die Hauptaufgabe eines Designated Sponsor liegt in der Bereitstellung von Liquidität für den Handel eines Wertpapiers. Dies tut er, indem er verbindliche Kauf- und Verkaufskurse für die weniger liquiden Werte auf der elektronischen Handelsplattform Xetra stellt und somit Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage verhindert. Investoren finden so leichter einen Handelspartner für ihr Geschäft. Dabei steht der Designated Sponsor mit den übrigen Marktteilnehmern im Wettbewerb um die Ausführung der Order. Den Auftrag hierzu erhalten sie in aller Regel von den Aktien-Emittenten. Meist handelt es sich um Banken oder Finanzdienstleister, die die entsprechende Aktiengesellschaft auch in anderen Bereichen beraten und betreuen. Nicht selten sind es die späteren Designated Sponsors, die den Emittenten des Wertpapiers beim Börsengang begleitet haben und im Anschluss den Finanzmarkt regelmäßig mit Analysen zum Unternehmen versorgen.

Mit der Neusegmentierung des Aktienmarktes hat sich für die Emittenten einiges geändert. Wichtigste Neuerung mit Auswirkung auf den Xetra-Handel ist, dass ein Unternehmen für die Notierung in einem bestimmten Börsensegment oder die Aufnahme in einen Index nicht mehr zwingend einen Designated Sponsor für seine Aktie braucht. Nur für weniger liquide Aktien sowie generell für börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds), die in das Xetra.Funds-Segment der Frankfurter Börse aufgenommen werden wollen, ist mindestens ein Designated Sponsor Pflicht.

Das Designated Sponsoring ist bei Werten mit geringem Handelsvolumen sowohl für Emittenten als Investoren eine sehr hilfreiche Dienstleistung. Spätestens, wenn eine Aktie kaum noch für Aufsehen sorgt und die gehandelten Stückzahlen gen Null tendieren, zeigt sich seine Bedeutung. Dann stellt die betreffende Bank mit eigenen Mitteln Liquidität und die marktgerechte Bewertung sicher. Designated Sponsors werden meist von den Emittenten beauftragt. Sie können die Zulassung aber auch freiwillig beantragen.

Vergleich nach Handelskosten


Wann ist ein Wert so illiquide, das ein Designated Sponsor Abhilfe schaffen muss? Zwei Kriterien sind hierfür entscheidend: Zunächst ermittelt die Deutsche Börse für jeden in Xetra gehandelten Wert den durchschnittlichen Orderbuchumsatz. Zweites Kriterium ist das so genannte Xetra-Liquiditätsmaß (XLM). Dieses zeigt die impliziten Transaktionskosten und erlaubt den Vergleich von Wertpapieren nach ihren Handelskosten. Hat das entsprechende Wertpapier mindestens 2,5 Millionen Euro Orderbuchumsatz pro Tag und zudem ein XLM von maximal 100 Basispunkten, so gehört es zur Liquiditätskategorie A. Bei Werten dieser Kategorie wird davon ausgegangen, dass sie immer liquide und zu marktgerechten Preisen ohne zusätzliche Unterstützung handelbar sind. Werte mit geringerem Orderbuchumsatz oder einem XLM oberhalb von 100 Basispunkten fallen in die Kategorie B und benötigen mindestens einen Designated Sponsor.

XLM und die impliziten Transaktionskosten: Wie wird Liquidität gemessen?


Grundsätzlich gilt, dass liquidere Märkte/Aktien, geringere implizite Transaktionskosten aufweisen. Das XLM misst die Liquidität und gibt die impliziten Transaktionskosten in einer Kennzahl wider. Diese Kosten werden als Monatsdurchschnitt einer minüt-lich erzeugten, hypothetischen Order ohne Limit ermittelt. Zu jedem Zeitpunkt wird ein theoretischer, fairer Kurs bestimmt, der genau zwischen dem bestem Kauf- und Verkaufspreis liegt. Die Differenz zwischen diesem Mittelkurs und dem durchschnittlichen Ausführungskurs der hypothetischen Order beziffert die impliziten Transaktionskosten. Je größer die Differenz und somit das XLM, umso niedriger die Liquidität eines Wertpapiers.

Anzeige