Bezugsrechte - Der Handel mit den Rechten auf junge Aktien
Bezugsrechte können auf der vollelektronischen Plattform Xetra im fortlaufenden Handel angeboten werden. Möglich macht dies ein so genannter 'Designated Sponsor', der während der Handelszeit kontinuierlich verbindliche Kauf- und Verkaufspreise stellt.
Wie Bezugsrechthandel funktioniert
Zum Hintergrund: Bezugsrecht bezeichnet das den Aktionären zustehende Recht, bei einer Kapitalerhöhung mit neuen Aktien bedacht zu werden, und zwar im Verhältnis ihres bisherigen Anteils am Grundkapital zum Zeitpunkt der Erhöhung. Wird z.B. das Kapital von 5 Millionen auf 6 Millionen Euro heraufgesetzt, können die Altaktionäre auf fünf 'alte' eine 'neue/junge' Aktie zu dem festgelegten Kurs beziehen. Das Bezugsverhältnis beträgt in diesem Falle 5 zu 1.
Möchten Altaktionäre von dem Angebot keinen Gebrauch machen, können sie ihre Bezugsrechte über die Börse verkaufen. Der Wert der Bezugsrechte entschädigt für den Kursverlust den die Altaktionäre durch die Ausgabe neuer Aktien erleiden. Vom aktuellen Kurs wird nämlich am Tag der Ausgabe der errechnete Wert des Aktienkurses abgezogen. Dieser so genannte Bezugsrechtabschlag begründet sich mit der Verteilung des Unternehmenswerts auf eine größere Anzahl Aktien. Damit geht eine Schmälerung der Rendite am Gewinn pro Aktie einher, der Anteil am Gewinn wird quasi verwässert.
- Rechnerisch ermittelt man das Bezugsrecht nach dieser Formel: (Kurs der alten Aktie - Bezugskurs der jungen Aktie) : (Bezugsverhältnis + 1). Üblicherweise wird der Handel mit Bezugsrechten auf zwei Wochen begrenzt und schließt direkt mit der Emission der neuen Aktien ab.
Beispiel Arcandor AG
Ein gutes Beispiel ist die Kapitalerhöhung von Arcandor AG ( ISIN DE0006275001). In 2004 ist das Grundkapital des Unternehmens von gut 300 Millionen Euro um fast 240 Millionen auf knapp 540 Millionen Euro erhöht worden. Den Arcandor-Aktionären wurden 93 Millionen neue Aktien im Verhältnis von 8 zu 7 angeboten. Das heißt: Für je 8 alte Aktien könnten die Aktionäre 7 neue Aktien beziehen.
- Konkret heißt dies für den Wert des Bezugsrechts: 9,77 (Schlusskurs der alten Aktie am 29.11) – 5,75 (Bezugskurs der jungen Aktie) : 2,14 (Bezugsverhältnis + 1) = 1,88 Euro. Entsprechend ging die Arcandor-Aktie zum Start der Bezugsfrist mit 7,77 Euro in den Handel. Inzwischen wurden 14 Millionen Bezugsrechte umgesetzt. Ihr Kurs liegt derzeit bei 53 Cent.
Auf beiden Plattformen der Börse Frankfurt
Bezugsrechte können seit 2005 auch auf Xetra gehandelt werden. Das macht den Bezugsrechthandel transparenter und internationaler, denn es beteiligen sich alle rund 300 Xetra-Teilnehmer aus 18 Ländern - auch ausländische Banken und Finanzdienstleister, die keinen direkten Zugang zum Parkett haben. 'Designated Sponsors' sorgen für Liquidität.
Ordergrößen
Für den Handel von Bezugsrechten auf Xetra gilt eine Mindestordergröße von 1.000 Stück für Bezugsrechte mit einem Wert von 1 Euro oder darüber und 5.000 Stück für Bezugsrechte mit einem Wert von unter 1 Euro. Jede Ordergröße über der Mindestordergröße ist zulässig. Damit richtet sich Xetra vor allem an aktive Privatanleger, die größere Volumen handeln. Es gelten alle Ordertypen und Orderrestriktionen des Xetra-Handels. Der fortlaufende Handel wird vom ersten bis zum vorletzten Tag angeboten. Der erste Handelstag beginnt mit einer IPO-Auktion, die gleichzeitig zur Auktion auf dem Parkett der Börse Frankfurt durchgeführt wird. Ab dem zweiten Handelstag bis zum vorletzten Handelstag folgt der Handelsablauf den Handelszeiten des Basiswertes mit Ausnahme der Eröffnungsauktion, die einige Minuten später als bei der Aktie angesetzt ist.





