Börse Frankfurt

Anlagestrategien: Aktienquote = 100 minus Lebensalter

Die einfache Regel für die Depotstruktur

Aktien bringen eine höhere Rendite als Anleihen. Dafür schwanken bei festverzinslichen Titeln vor allem kurzfristig die Kurse weniger. Für den passenden Aktien/Renten-Mix ist die Faustformel "Aktienquote = 100 minus Lebensalter" als Kompass hilfreich.


Aktien oder Renten – womit fahren Anleger auf Dauer besser? Eine Frage, die pauschal nicht zu beantworten ist. Denn beide Anlageklassen haben Vor- und Nachteile. Deshalb sollten sie in einem gut sortierten Depot nicht fehlen. Der Vorteil der Aktie ist ihre langfristige Ertragsstärke. Mit Rententiteln lässt sich zwar meist nicht so viel verdienen, doch Anleihen haben das große Plus, dass sie einem Depot Stabilität verleihen – sofern es sich nicht um Risikotitel wie Junk Bonds handelt. Sonst sind Verluste, wenn das Papier bis zur Fälligkeit nicht verkauft wird, so gut wie ausgeschlossen. Den richtigen Mix zu finden ist aber gar nicht so einfach.

Als Orientierung für die Höhe des Aktienanteils wird oft die Risikobereitschaft des Anlegers als Maßstab herangezogen. Problematisch sind jedoch zwei Faktoren. Die genaue Festlegung der Aktienquote unter Risikogesichtspunkten ist von der Situation an den Finanzmärkten abhängig. Und Investoren müssen selbst darauf achten, dass die Zeit immer lang genug ist, um auch größere Kursrückschläge an den Aktienmärkten noch aufzuholen.

Risikoklassen nach der Aktienquote: 


  • Risikoklassen nach der Aktienquote: 0 - 30 % risikoscheue Anleger
  • 30 - 70 % bedingt risikobereite Anleger
  • 70 - 100 % risikofreudige Anleger

Für sehr langfristig ausgerichtete Investments gibt es eine recht einfache Strategie, um dieses Risiko in den Griff zu bekommen. Anleger sollten sich bei der Höhe der Aktienquote am Lebensalter orientieren – eine Formel, auf die auch schon Börsenguru André Kostolany schwor. Sie lautet: Aktienquote = 100 minus Lebensalter. Denn pauschal gilt: Je länger der Anlagehorizont ist, desto höher kann und sollte der Anteil des investierten Kapitals sein, der in Aktien fließt. Schließlich zeigt ein Blick in die Statistik, dass selbst hohe Kursverluste meistens nach spätestens zehn Jahren wieder aufgeholt sind. Das heißt: Ein 60-Jähriger sollte maximal 40 Prozent seines Vermögens in Dividendentitel investieren, bei einem 20-Jährigen sind 80 Prozent keinesfalls zuviel.

Der Gedanke, der dahinter steckt, ist einfach: Junge Investoren – Sonderfälle wie Erben großer Vermögen, Show- und Fußballstars einmal ausgenommen – haben an den Finanzmärkten wenig zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Das Vermögen ist noch verhältnismäßig gering. Außerdem haben sie viel, viel Zeit, um erlittene Verluste aus Aktieninvestments wieder wettzumachen. Je älter Anleger werden, desto mehr dreht sich die Situation ins Gegenteil um. Wer sein angesammeltes Kapital bald braucht, zum Beispiel zur Bestreitung des Lebensunterhalts, hat mehr zu verlieren als zu gewinnen. Zum einen kosten vermögendere Anleger Kurseinbrüche am Aktienmarkt mehr Geld, und zum zweiten bleibt ihnen viel weniger Zeit, um solche Verluste wieder aufzuholen.

Die Formel klingt also plausibel. Doch obwohl sich das Anlagekonzept „100 minus Lebensalter“ in der Vergangenheit im Prinzip bewährt hat, sollten Anleger bedenken, dass es sich ebenfalls nur als grobe Richtschnur eignet. Denn wer sein Depot wahllos mit Aktien und Renten bestückt, kann trotz der Beachtung dieser Regel Schiffbruch erleiden. Schließlich gibt es Rententitel, die erheblich riskanter sind als so manche Aktie, zum Beispiel Schwellenländeranleihen. Anleger, die vor einigen Jahren Geld in Argentinien-Anleihen steckten, zittern immer noch darum, ob sie das darin investierte Geld jemals ganz wieder sehen werden. Denn das Land bedient diese Titel wegen zu hoch gewordener Zins- und Tilgungsleistungen nicht mehr. Und alle, die ihr Kapital im Alter zur Bestreitung des Lebensunterhalts brauchen, sollten mit 65 Jahren eher 0 statt 35 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren.

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