Bitte warten...
Börse Frankfurt

ROUNDUP: Daimler mit Gewinnsteigerung trotz hoher Investitionen

27.04.2012 11:26

Anzeige

    STUTTGART (dpa-AFX) - Der Autokonzern Daimler  hat zu Jahresbeginn
trotz hoher Kosten für die geplante Aufholjagd auf seine Konkurrenten BMW
 und Audi einen Gewinnzuwachs erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Zinsen
und Steuern (EBIT) legte im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
auch dank des schwächeren Euros um fünf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zu, wie
das Unternehmen am Freitag in Stuttgart mitteilte. Damit übertraf es die
Erwartungen von Analysten, die mit einem kleinen Rückgang gerechnet hatten. Der
Umsatz kletterte dank neuerlicher Rekordabsätze um 9 Prozent auf gut 27
Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben mit 1,42 Milliarden Euro sogar ein
Fünftel mehr übrig. Dabei profitierte Daimler von niedrigeren Zinsen und
Steuern. 

    An der Börse ging es für die Daimler-Aktie trotz des überraschenden
Gewinnzuwachses zum Handelsauftakt um gut drei Prozent nach unten, im Laufe des
Vormittags konnte das Papier aber einen Teil der Verluste wieder wettmachen.
Händler begründeten die Zurückhaltung damit, dass die Aktie an den vergangenen
drei Tagen bereits in Erwartung guter Quartalszahlen um 8 Prozent geklettert
war. Zudem hatten die glänzenden Zahlen von Volkswagen  am Vortag
Hoffnungen auf eine noch besseres Ergebnis gemacht. 

ZETSCHE: LIEGEN IM PLAN

    "Wir liegen im Plan, sowohl unsere Ziele in diesem Jahr als auch unsere
mittelfristigen Ziele zu erreichen", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Absatz
und Umsatz sollen 2012 dank der hohen Nachfrage in Nordamerika und den
Schwellenländern neue Rekorde erreichen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern aus
dem laufenden Geschäft soll aber wegen hoher Investitionen bei rund 9 Milliarden
Euro stagnieren. Bis Ende dieses Jahrzehnts will Zetsche Daimler wieder zur
Nummer eins in allen seinen Märkten machen. Mit seiner Vorzeigemarke
Mercedes-Benz fährt der Konzern seit Jahren dem Konkurrenten BMW und inzwischen
auch Audi hinterher. 

    Mit zehn neuen Modellen bis 2015 will Zetsche das Steuer herumreißen. Das
kostet zunächst aber Geld: Insgesamt will der Konzern in diesem und im kommenden
Jahr 10,9 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken, weitere 10,6
Milliarden Euro sind für den Ausbau der Werke vorgesehen. So ging der operative
Gewinn der Autosparte trotz Rekordverkäufen um 3 Prozent auf 1,23 Milliarden
Euro zurück. Die Marge sackte von 9,3 Prozent im Vorjahr auf 8,4 Prozent ab.
Audi und BMW kommen auf satt zweistellige Werte. 2013 sollen es auch bei
Mercedes wieder 10 Prozent sein. 

ÜBERGANGSJAHR

     Finanzvorstand Bodo Uebber betonte, dass 2012 ein Übergangsjahr für den
Konzern sei. Neben den Kosten für den Produktionsanlauf im neuen ungarischen
Daimler-Werk belasteten im ersten Quartal auch Rabatte in China. Diese seien
aber nur für eine Übergangszeit im Januar und Februar gewährt worden, sagte
Uebber. Inzwischen befänden sich die Preis auf dem wichtigen chinesischen Markt
wieder auf Normalniveau.

    Ein kräftiges Absatzplus verbuchte dank hoher Nachfrage aus Nordamerika und
Asien auch die Lastwagensparte. Allerdings ging der operative Gewinn um 7
Prozent zurück. Das führte der Konzern auf die Kosten durch die Einführung des
neuen Actros-Modells sowie auf den schwierigen Markt in Lateinamerika zurück. 

PROBLEME BEI BUSSEN

    Zunehmend Probleme bereitet die Bussparte. Im für dieses Geschäft
traditionell schwachen ersten Vierteljahr verdreifachte sich der operative
Verlust von 33 auf 103 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 12 Prozent zurück. Die
Schwaben haben der Sparte ein Sparprogramm verordnet und trennen sich in
Nordamerika vom Geschäft mit den Stadtbussen. Dagegen steuerte der
Daimler-Anteil am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS   133
Millionen Euro zum Konzern-EBIT bei, 80 Prozent mehr als vor einem Jahr. 

    Angesichts des jüngsten Wirbels um angebliche Ausstiegspläne des größten
Einzelaktionärs Abu Dhabi mühte sich Finanzchef Uebber, die Wogen zu glätten. Es
gebe keine Hinweise auf eine Abkehr des Scheichtums, das über seinen Staatsfonds
Aabar rund neun Prozent von Daimler kontrolliert. Laut Medienberichten sollen
die Scheichs unzufrieden sein, dass es bei Daimler nicht so rund läuft wie etwa
bei Audi oder BMW. Uebber ging darauf nicht ein./enl/loh/stb



Anzeige