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Börse Frankfurt

AUSBLICK: Turbulenzen und Meilenrebellen: Heiße Hauptversammlung bei Lufthansa

06.05.2012 14:59

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    KÖLN/FRANKFURT/MAIN (dpa-AFX) - Die Lufthansa  hat schon ruhigere
Hauptversammlungen absolviert: Wenn die Anteilseigner der umsatzstärksten
Airline Europas am Dienstag (8. Mai) in der Kölner Lanxess-Arena zusammenkommen,
gibt es eine Menge zu besprechen. Neben den großen Strategiefragen geht es auch
um düpierte Vielflieger und um Dividenden in Zeiten des Arbeitsplatzabbaus.

    Gespannt warten die Eigentümer auf Ausführungen des Vorstands zur künftigen
Strategie des europäischen Branchenprimus, der von Billigfliegern und
preisaggressiven Golf-Carriern wie Etihad, Qatar und Emirates in die Zange
genommen wird. Das Unternehmen antwortet mit einem weiteren milliardenschweren
Sparprogramm namens "Score", bei dem in einem ersten Schritt 3.500 von weltweit
16.800 Stellen gestrichen werden. Lufthansa werde eine Qualitäts-Airline
bleiben, betont Lufthansa-Chef Christoph Franz immer wieder, stellt aber das
teure Full-Service-Modell für die Europaflüge in Frage.

    Der zu Jahresbeginn 2011 ins Amt gekommene Vorstandsvorsitzende räumt
inzwischen mächtig auf mit den Fehleinkäufen aus der Vergangenheit: British
Midland (bmi) ist bereits verkauft, Lufthansa Italia dicht, Jade Cargo so gut
wie abgewickelt und bei Brussels Airlines scheut Franz derzeit eine Aufstockung
der eigenen Anteile. Am heikelsten für den Gesamtkonzern ist sicher die immer
noch nicht abgeschlossene Sanierung der österreichischen Austrian Airlines.

    Der frühere Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber, den viele für die Fehleinkäufe
verantwortlich machen, steht in Köln noch nicht zur Wahl als neuer
Aufsichtsratschef. Amtsinhaber und Lufthansa-Legende Jürgen Weber hält bislang
die Hand schützend über seinen designierten Nachfolger, der ihn erst im Jahr
2013 beerben soll.

    Über die vom Vorstand vorgeschlagene Dividende dürfte es unter den
Aktionären wenig Murren geben, denn immerhin soll es für jede Aktie noch 25 Cent
geben, obwohl die Gesellschaft im vergangenen Jahr unter dem Strich einen
Verlust von 13 Millionen Euro verkraften musste. Ohne den Dauerverlustbringer
bmi erzielten die fortgeführten Geschäftsbereiche aber ein positives Ergebnis,
begründete Franz die Ausschüttung des Bilanzgewinns von 114,5 Millionen Euro:
"Das Vertrauen in die Lufthansa-Aktie und in die positive Entwicklung unseres
Unternehmens lohnt sich. Deshalb wollen wir auch in diesem Jahr unsere Aktionäre
am operativen Erfolg beteiligen."

    Die Beruhigungspille für die auch vom Kursverlauf gebeutelten Aktionäre
steht allerdings im krassen Gegensatz zum eingeschlagenen Sparkurs. "Wir sehen
die Dividende sehr kritisch. Das Geld fehlt dem Unternehmen und es setzt ein
falsches Signal in den Konzern", meint etwa der Fondsmanager Ingo Speich von
Union Investment. Er stützt den Sanierungskurs von Franz, sorgt sich aber nicht
zuletzt wegen des Abgangs von Finanzvorstand Stephan Gemkow um die
Arbeitsbelastung des Spitzenmanagements. "Es sind derzeit schon sehr viele
Baustellen."

    Zu den kleineren gehört da wohl der Rechtsstreit mit enttäuschten
Stammkunden. Aus Prozessen um die Abwertung von Bonusmeilen entstand Streit um
die Frage, wie Lufthansa die an Kunden ausgegebenen Meilen in der Bilanz
bewerten muss. In einem ersten Prozess hatte das Landgericht Köln entschieden,
dass Lufthansa die Kunden nicht früh genug über die Änderungen der Meilenwerte
informiert hatte./ceb/DP/edh


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