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Börse Frankfurt

Commerzbank: Italien bei Defiziten im Plan - strukturell weit zurück

04.05.2012 11:20

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    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Ökonomen der Commerzbank gehen mit dem
angeschlagenen Euro-Schwergewicht Italien hart ins Gericht. Zwar habe sich die
Lage der öffentlichen Haushalte in den zurückliegenden Monaten gebessert, sagte
Chefvolkswirt Jörg Krämer am Freitag in Frankfurt. Strukturell hinke das Land
der Entwicklung im Euroraum aber weit hinterher. "Die Rahmenbedingungen für
Unternehmen sind katastrophal und auf dem Niveau eines Entwicklungslandes." Auch
bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit, die Krämer an den Lohnstückkosten
misst, verliere Italien im Gegensatz zu vielen anderen Euro-Ländern weiter an
Boden.

    Genau umgekehrt bewertet der Volkswirt die Lage in anderen
Euro-Krisenländern wie Spanien, Portugal oder Irland. Sie seien im Gegensatz zu
Italien zwar hinter dem Plan bei der Konsolidierung ihrer öffentlichen
Haushalte. Die Standortqualität habe sich aber ebenso wie die preisliche
Wettbewerbsfähigkeit verbessert. "Für Italien gilt daher: Mehr Schein als Sein",
so Krämer. Er kritisierte insbesondere die Arbeitsmarktreform von Regierungschef
Mario Monti, die in seinen Augen gescheitert ist. "Ich kann nicht verstehen,
warum Monti immer als der große Reformer bezeichnet wird."

    Deutlich zuversichtlicher zeigte sich Krämer für andere angeschlagene
Euro-Länder. "Spanien, Portugal und Irland dürften bei ihrer preislichen
Wettbewerbsfähigkeit bereits 2015 wieder den Euroraum-Durchschnitt erreichen."
Ausschlaggebend sei aber nicht nur die Lohnentwicklung in den Krisenländern.
"Hinzu kommt, dass die Löhne in Deutschland vermutlich viel stärker als in den
vergangenen Jahren steigen werden, was den preislichen Rückstand der anderen
Länder verringert." Grund sei vor allem die für Deutschland viel zu lockere
Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die hierzulande für ein
jahrelang robustes Wirtschaftswachstum sorgen dürfte.

    Trotz dieser Bedenken teilt Krämer nicht Ängste vor Preisblasen an den
deutschen Vermögensmärkten, insbesondere im Immobilienbereich. "Ich gehe nicht
davon aus, dass die deutsche Wirtschaft überhitzt." Krämer argumentiert zum
einen über den großen Außenhandelssektor Deutschlands. Dieser begrenze den
Spielraum für Lohnerhöhungen, da im Exportgeschäft der Preisfaktor und damit die
Löhne eine große Rolle spielten. Mit Blick auf den Immobilienmarkt verwies der
Ökonom auf die vergleichsweise konservative Vergabepraxis der deutschen Banken
bei Hypothekenkrediten. Auch die im internationalen Vergleich eher
zurückhaltenden Kreditnehmer dürften einer Blasenbildung am Häusermarkt
entgegenstehen./bgf/jsl



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