Was Anlegern das Parkett der Zukunft bietet
Hintergrundwissen zur Migration von Xontro auf Xetra
Börsenplatz Frankfurt bleibt
Das Wichtigste vorab: Für Anleger ändert sich bei der Orderaufgabe nichts, denn in den Ordermasken steht weiterhin Frankfurt.
Am 23. Mai ist an der Börse Frankfurt das Handelssystem des Parketthandels auf Xetra umgezogen. Seitdem werden auf Xetra mit zwei unterschiedlichen Marktmodellen über 700.000 Wertpapiere gehandelt:
- Das klassische Xetra mit dem bekannten und bewährten Marktmodell des fortlaufenden Handels mit offenem Orderbuch, bei dem die Preise vollelektronisch gestellt werden.
- Mit Hilfe der Spezialisten - in Ihrer Ordermaske der Börsenplatz "Frankfurt".
Bei Letzterem werden die Orders zwar auch automatisch ausgeführt, Spezialisten betreuen jedoch den Handel, stellen gegebenenfalls Liquidität und beziehen Referenzmärkte ein. Dies ist übrigens für Zertifikate- und Fonds-Anleger nicht neu, denn diese Assetklassen werden bereits seit drei Jahren von Spezialisten betreut. Deswegen betrifft die Umstellung in diesem Schritt vor allem Aktien und Anleihen das sind insgesamt 36.000 Wertpapiere.
Internationaler, günstiger, schneller
Die Umstellung auf das neue Marktmodell bringt Anlegern erhebliche Vorteile:
- die neue Handelsplattform umfasst ein europäisches Handelsnetzwerk mit internationalen Handelsteilnehmern aus 18 Ländern. Die Anzahl der angeschlossenen Banken, die am Handelsplatz Frankfurt handeln können verdoppelt sich nahezu.
- Das bringt vermehrt Liquidität auf die Plattform, was die indirekten Handelskosten senkt, z.B. über kleinere Handelsspannen, und die Marktqualität erhöht.
- Xetra bietet modernste Technik, denn das Handelssystem ist derzeit die State-of-the-art-Technologie in punkto Sicherheit, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit.
Auch das alte Handelssystem im Präsenzhandel hatte sich bewährt. Jedoch stellt ein sich stark wandelnder Markt höhere Anforderungen an Börsen. Waren Skontroführer bislang Vermittler, stellen sie in ihrer Rolle als Spezialisten vor allem Liquidität in Form von Geld- und Briefkursen mit Volumen zur Verfügung. Damit verändert sich die Aufgabe der ehemaligen Skontroführer, jetzt Spezialisten, stark. Nun macht wie im fortlaufenden Handel die Maschine den Preis, die Spezialisten betreuen ihn.
Das nutzt Anlegern vor allem durch schnellere Ausführung ihrer Orders. Die Umstellung verstärkt die Wettbewerbsposition der Börse Frankfurt in einem immer internationaler werdenden Finanzmarkt, insbesondere gegenüber außerbörslichen Handelsplattformen. Das birgt auch für Anleger Vorteile, da diese alternativen Plattformen meist nur die Rosinen in Form der Bluechips anbieten. An der Börse Frankfurt werden dagegen auch für Nebenwerte gute Preise gestellt, darüber hinaus in einem regulierten, überwachten Handel.
Das Beste aus zwei Welten
Was bestehen bleibt, sind die Vorteile der Börse Frankfurt. Die Frankfurter Spezialisten bieten eine individuelle Betreuung jeder Order. Das ist insbesondere bei Wertpapieren wichtig, die einen Referenzmarkt haben.
Bei Fonds beispielsweise orientiert sich der Preis nicht an Angebot und Nachfrage, sondern an den Preisen der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. So werden 80 Prozent aller Aufträge von den Spezialisten mit den Fondsgesellschaften abgewickelt und nicht mit anderen Anlegern. Bei Zertifikaten orientiert sich der Preis am Emittenten-Quote. Diese beiden Asset-Klassen werden auch bereits seit 3 Jahren nach dem Spezialisten-Modell gehandelt. Xetra bringt die Technik, der Spezialist sorgt für die menschliche Komponente.
Jetzt auch Aktien und Anleihen
Auch bei Anleihen ist die Betreuung wichtig, da viele festverzinsliche Papiere überwiegend im Interbankenhandel außerhalb der Börse den Besitzer wechseln. An den Referenzpreisen dieses Handels orientieren sich die Spezialisten. Dasselbe gilt auch für Auslandsaktien, die eine andere Börse als Heimatmarkt haben. Somit können die Spezialisten liquiden Handel auch bei kleineren Werten bieten. Was natürlich ebenfalls erhalten wird, ist der Vorteil einer Regulierung des Handels durch die Börsenaufsicht und der Kontrolle durch die Handelsüberwachungsstelle, an die sich Anleger anders als beim außerbörslichen Handel jederzeit bei Fragen und Problemen wenden können.
Faktor Mensch ist nicht zu ersetzen
Auf den Punkt gebracht, ist die menschliche Komponente der zentrale Vorteil für Anleger im Spezialistenhandels. Die Maschine kann den Mensch an dieser Stelle unterstützen, aber nicht ersetzen. Was auch bleibt, ist der Handelssaal als Gesicht der Börse, den Sie weiterhin besuchen können. Die Präsenzpflicht der Spezialisten am Börsenplatz ist in der Börsenordnung festgeschrieben.
Thema Teilausführungen
Im betreuten Handel an der Frankfurter Börse vermeiden die Spezialisten Teilausführungen, wenn sie wirtschaftlich nicht sinnvoll sind. Teilausführungen bieten auch Vorteile, da oft zu besserem Preis als eine Vollausführung zu einem anderen Zeitpunkt, außerdem werden untertägige Teilausführungen von der Börse nicht in Rechnung gestellt, und immer mehr Banken geben diesen Vorteil an ihre Kunden weiter.
Thema Kosten
Welche Auswirkungen die Umstellung auf die direkten Handelskosten hat, also die Transaktionsentgelte, hängt von Ihrer Bank ab, da diese die Gebührenstruktur selbst gestaltet und dort auch mit den anderen Banken im Wettbewerb steht. Was Ihre Bank wiederum an die Börse zahlen muss, hat sich mit der Umstellung geändert.
Es fallen jetzt zwei Entgeltkomponenten an, zum einen das Transaktionsentgelt für die Nutzung des Marktplatzes und zum anderen das Handelsentgelt als Nachfolger der Courtage, das u.a. die Vergütung der Spezialisten darstellt.
Die Höhe des Transaktionsentgeltes ist vom Gebührenmodell abhängig, für das sich die Bank entschieden hat. Bei Aktien und anderen stücknotierten Wertpapieren reicht die Spanne von 1,104 Basispunkte vom Auftragswert bzw. minimal 69 Cent bis 0,96 Basispunkte mit minimal 60 Cent. Bei prozentnotierten Anleihen und Genussscheinen sind es 1,104 Basispunkte vom Nominalwert der Order, minimal 1,04 Cent, bis 0,96 Basispunkte und minimal 90 Cent. Publikumsfonds schlagen mit einem fixen Entgelt von 80 bis 92 Cent zu Buche. Hinzu kommen variable Kosten in einer Spanne von 7,475 Basispunkten und mindestens 58 Cent bis hin zu 6,5 Basispunkte und mindestens 50 Cent. Bis zu einer Ordergröße von 29.230 Euro gelten wieder wertbasierte Preise.
Das Handelsentgelt stellt u.a. die Bezahlung der Spezialisten dar. Bei Aktien und anderen stücknotierten Wertpapieren kostet eine Order 5,04 Basispunkte und mindestens 2,52 Euro ihren Werts. Bei Anleihen sind sie abhängig vom Nennwert der Anleihe.
Wichtig ist auch zu wissen, dass anders als bei der bis 23. Mai 2011 gültigen Courtage alle Handelskosten inzwischen Mehrwertsteuer pflichtig sind. Auch dies wird von den Banken und Brokern unterschiedlich gehandhabt. Teilweise weisen diese die Mehrwertsteuer jetzt aus, teilweise nicht.
Für Anleger bedeutet die neue Preisstruktur, dass die börsenspezifischen Entgelte bei kleineren Orders bis etwa 3.000 Euro Auftragsvolumen gestiegen, bei größeren über 3.000 Euro Volumen günstiger geworden sind.
Für einen Aktienkauf in Höhe von 5.000 Euro fallen insgesamt 3,71 Euro Entgelte an inkl. MWSt, für 10.000 Euro 7,14 Euro. Zuvor waren es 3,19 bei Nicht-DAX-Werten und 2,19 bei DAX-Werten. Dafür fielen bei einer Order in Höhe von 10.000 Euro 12,52 bzw. 8,52 Euro an.
Wichtig ist auch zu wissen, dass anders als bei der bis 23. Mai 2011 gültigen Courtage alle Handelskosten inzwischen Mehrwertsteuer pflichtig sind. Auch dies wird von den Banken und Brokern unterschiedlich gehandhabt. Teilweise weisen diese die Mehrwertsteuer jetzt aus, teilweise nicht.
Für Anleger bedeutet die neue Preisstruktur, dass die börsenspezifischen Entgelte bei kleineren Orders bis etwa 3.000 Euro Auftragsvolumen gestiegen, bei größeren über 3.000 Euro Volumen günstiger geworden sind.
Für einen Aktienkauf in Höhe von 5.000 Euro fallen insgesamt 3,71 Euro Entgelte an inkl. MWSt, für 10.000 Euro 7,14 Euro. Zuvor waren es 3,19 bei Nicht-DAX-Werten und 2,19 bei DAX-Werten. Dafür fielen bei einer Order in Höhe von 10.000 Euro 12,52 bzw. 8,52 Euro an.
Neuer Orderzusatz: Stopp-Limit-Order
Das neue Marktmodell bringt Anlegern auch einen weiteren Orderzusatz, die Stopp-Limit-Order. Diese ermöglicht, ein Preis-Limit zu setzen (Stopp), bei dessen Erreichen eine Limit-Order ausgelöst wird. Damit können Anleger erreichen, dass ihr Auftrag nicht zum nächstmöglichen Preis ausgeführt wird, wenn ihr Stopp-Limit erreicht wird, sondern nur bis zu dem zuvor gesetzten Limit. Das kann böse Überraschungen bei sehr starken Kursschwankungen in marktengen Werten verhindern, birgt andereseits auch das Risiko, gar nicht ausgeführt zu werden.
© 19. Mai 2011/Edda Vogt
