DAX-Sentiment: "Sell in May" hält sich in Grenzen
Stimmungsindikator zum DAX
2. Mai 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Und wenn er kommt? Dann verkaufen wir! So könnte sich die leicht abgewandelte Form des bekannten Laufspiels auf dem Parkett angehört haben. Denn zahlreiche Anleger haben, wohl mit Blick auf den ungeliebten Börsenmonat Mai, erst einmal eine Auszeit vom Aktienmarkt genommen. Um dies zu belegen, reicht eigentlich schon ein Blick auf den DAX-Verlauf des vergangenen Monats. Im April ließ der DAX ordentlich Federn. Zudem war es der erste Monat des laufenden Jahres, der Anlegern einen Verlust einbrachte.
Aber nicht nur am deutschen Aktienmarkt, auch international zogen sich Investoren zurück. Im vergangenen Monat verzeichneten Aktienfonds nach Zahlen des Analysehauses EPFR Global Research die höchsten April-Mittelabflüsse seit Beginn der Aufzeichnungen 1996. Hauptsächlich betraf dieser Abzug Europa. Betrachtet man die letzten beiden Jahre wird klar, warum der Mai plötzlich wieder in aller Munde ist. Sowohl 2010 als auch 2011 waren Börsenjahre, in denen das Anwenden der saisonalen Regel (im Nachhinein betrachtet) einen Sinn ergab. Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, hat manch einer der Einladung zum Verkauf wohl nicht widerstehen können. Der Unterschied zu den vergangenen Jahren ist allerdings: Diesmal wurde bereits Ende April über die Taktik gesprochen, während in den beiden anderen Jahren sich zuvor kaum jemand mit der Börsenweisheit an die Öffentlichkeit traute.
Allerdings ist diesmal der Anteil deutscher Anleger, die offensichtlich auf einen schwachen Mai oder vielleicht sogar auf eine längere Sommerdurststrecke spekulieren, deutlich geringer ausgefallen. Der eine oder andere wird sich vielleicht noch an die erste Mai-Erhebung des vergangenen Jahres erinnern. Damals zeigten die von der Börse Frankfurt befragten Akteure eine wesentlich aggressivere bearishe Haltung. Am 4. Mai 2011 markierte unser Stimmungspegel, der Bull/Bear-Index, sogar sein Jahrestief. Für ihre pessimistische Haltung belohnt wurden die Akteure allerdings erst im August, als der DAX in einen Sinkflug überging.
Heute sind wir von solcher Skepsis weit entfernt. Trotz der offensichtlichen Verkaufsaktivität einiger Händler – 7 Prozent ehemals Neutrale liefen ins Bärenlager über – hat der Optimismus, der seit Anfang April vorherrscht, kaum gelitten. Der Bull/Bear-Index fällt zwar leicht zurück, erreicht aber immer noch das dritthöchste Niveau des Jahres. Demnach würden sich internationale Anleger weit mehr für einen schwachen Aktienmarkt begeistern als die heimische Investmentgemeinde.
Da die Angst vor dem Mai nicht die große Masse zu Umschichtungen bewegt hat und die Marktteilnehmer sich auch mehrheitlich nicht von neuen Querelen innerhalb der Eurozone haben einschüchtern lassen, ist nicht davon auszugehen, dass weitere Mai-Skeptiker im Laufe des Monats Nachholbedarf entwickeln werden. Ohnehin sieht alles danach aus, dass die jüngst gesehenen Verkäufer gezielt auf die höchsten Kurse seit Anfang April gewartet haben, um ihre Abgaben durchzuführen. Wir erwarten daher, diese Short-Spieler bereits vor dem Erreichen des DAX-Jahrestiefs auf der Nachfrageseite wiederzusehen. Und wenn nicht, dann spätestens im September.
© 2. Mai 2012/ Gianni Hirschmüller, cognitrend
Verhältnis Optimisten zu Pessimisten
| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 52 % | 30 % | 18 % |
| ggü. letzter Erhebung | +0 % | +7 % | -7 % |
DAX-Stimmungskurve

Stand DAX 02.05.2012, 12:00 Uhr: 6.820 Punkte (+2,55 % gegenüber der letzten Erhebung), Bull/Bear- Index: 62,2 Punkte


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