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Börse Frankfurt

DJ UPDATE: Gläubiger halten Druck auf Griechenland hoch

--Kroes: Euroraum ohne Griechenland lebensfähig 
--Kampeter: Griechenland muss versprochene Reformen umsetzen 
--Citigroup: Wahrscheinlichkeit Euro-Austritt Griechenlands bei 50 Prozent 
 
(NEU: Citigroup, Ergebnis Staatsanleiheauktion) 
 

ATHEN (Dow Jones)--Der Druck auf Griechenland, zusätzlichen Einsparungen und Strukturreformen zuzustimmen, bleibt hoch. Die griechische Regierung und ihre in der so genannten Troika vereinigten institutionellen Gläubiger nehmen ihre Gespräche über die Kürzung von Löhnen und Rentenzuschüssen sowie andere Reformen wieder auf. Am Montag waren sie erneut ohne handfestes Ergebnis beendet worden. Begleitet werden die Bemühungen von zunehmend harschen Äußerungen der Geber-Seite.

So sagte die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes, sie halte die Eurozone selbst für den Fall für stabil, dass Griechenland den Euro aufgeben müsste. Zwar sei sie dagegen, dass das Land zur Drachme zurückkehre, doch wäre es "nicht das Ende der Welt, wenn jemand die Eurozone verlässt", sagte Kroes der Zeitung De Volkskrant.

Die Citigroup rechnet mit einer Wahrscheinlichkeit von nun 50 Prozent damit, dass Griechenland in den kommenden 18 Monaten die Eurozone verlassen wird. Zuvor hatte sie die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses auf 25 bis 30 Prozent taxiert. Grund sei der Unwille der Gläubiger aus der Eurozone, dem Land weitere Hilfen zu gewähren, wenn es nicht die Vorbedingungen erfülle.

Die Kosten eines Austritts für die restliche Eurozone würden laut Citigroup moderat ausfallen, zumal die Ansteckungsängste nach einem Austritt Griechenlands von der Politik nötigenfalls eingedämmt werden dürften. Im September 2011 hatten die Analysten der Bank die Wahrscheinlichkeit eines Austritt und deren potenzielle Folgen nach eigenen Angaben deutlich höher veranschlagt als derzeit. Zudem seien Politik und EZB derzeit deutlich entschlossener als damals, einer Ansteckung anderer finanziell angeschlagener Staaten zu begegnen.

Auch an den Finanzmärkten zeigte sich eine deutlich entspanntere Sichtweise. Die griechische Finanzagentur musste bei der Versteigerung 26-wöchiger Schatzwechsel über gut 800 Millionen Euro einen etwas niedrigeren Zins als bei einer Versteigerung gleichlautender Titel im Januar zahlen.

Im Deutschlandfunk verteidigte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter, den am Vortag von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy unterbreiteten Vorschlag, Griechenland solle künftige Zinszahlungen über die Einrichtung eines Sperrkontos absichern. Seiner Meinung nach sei dieses Vorgehen durchaus auch im Interesse derer, die gegenwärtig finanzielle Verantwortung trügen, sagte er und fügte hinzu: "Das ist eine angemessene Form europäischer Kooperation und Solidarität." Deutschland und Frankreich planten keineswegs, Griechenland aus der Eurozone zu drängen. Vielmehr müsse Griechenland nun die versprochenen Reformen umsetzen.

Griechenland hofft derzeit auf einen neuen Kredit über mindestens 130 Milliarden Euro, ohne den es im März zahlungsunfähig würde. Internationaler Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäische Zentralbank (EZB) wollen als Gegenleistung jedoch glaubhafte Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, ohne deren Verbesserung Griechenland kaum in der Lage sein dürfte, seine Schulden jemals zu begleichen.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen stehen die in Athen regierenden Parteien kurz vor einer Einigung über die geforderte zwanzigprozentige Kürzung des Mindestlohns. Noch verhandelt wird demnach über die Forderung der Troika, 2012 die Ausgaben zusätzlich um 3,2 Milliarden Euro zu kürzen. Dem Vernehmen nach fehlen hier noch 600 Millionen Euro. In Athen und anderen Städten hat unterdessen ein Generalstreik gegen die geplanten Reformen und Kürzungen begonnen. Agenturberichten zufolge wurden Schulen, Ministerien, Banken und Krankenhäuser bestreikt.

 
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, 
Hans.Bentzien@dowjones.com 
(unter Verwendung von Berichten von Stelios Bouras, Alkman Granitsas, 
Costas Paris, Andrea Thomas, Steffen Gosenheimer und Emese Bartha) 
DJG/DJN/hab/sgs 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 07, 2012 05:51 ET (10:51 GMT)

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